Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Kulturanleitung - Leindotter
Inhalt
Formen:
Wildformen und Kulturformen, ursprünglich ein Unkraut in Lein. Familie Kreuzblütler Sommerannuelle, aber auch winterannuelle Formen bekannt
Verwertung:
Ölgewinnung für technische Zwecke, eventuell als Treibstoff. Wegen Erucasäuregehalt und Eicosensäure für menschliche Ernährung weniger geeignet. Keine Zulassung als Tierfutter laut Futtermittelgesetz! Derzeit im Gemengeanbau vor allem mit Erbsen im ökologischen Landbau zur Verbesserung der Standfestigkeit und zur Unkrautunterdrückung teils guten Erfahrungen. Im Sommerweizenanbau zur Erhöhung des Rohproteingehaltes in Erprobung.
Qualitätsmerkmale (äußere – innere)
Wassergehalt 9%, Ölgehalt ca. 30 – 38%.
Klima- und Bodenansprüche:
-
An die Bodenart: relativ anspruchslos, auch kalk- und salzhaltige Böden werden vertragen.
-
An das Klima: Leindotter hat geringe Temperaturansprüche, auch Trockenheit wird gut vertragen.
-
An den pH-Wert: keine besonderen Ansprüche.
Fruchtfolgestellung:
-
Ansprüche an die Vorfrucht: je nach Ertragserwartung, in Reinsaat bis 100 kg N/ha Bedarf.
Als Gemengepartner keine besonderen Ansprüche.
-
Vorfruchtwirkung: mittel, hinterlässt als Blattfrucht gute Bodengare.
-
Selbstverträglichkeit: wenig bekannt
Bodenbearbeitung:
-
Grundbodenbearbeitung: Pflug
-
Saatbettbereitung: Saatbettkombination, in trockenen Lagen und auf lehmigen Böden auch zapfwellengetriebene Geräte.
Walzen vor der Saat, bzw. nach der Saat. Im Gemenge mit Getreide und Erbsen getrennt säen, da an flache Saattiefe und Feinheit des Bodens deutlich höhere Ansprüche.
-
Stoppelbearbeitung: flache Stoppelbearbeitung soll Ausfallleindotter zum Auflaufen bringen.
Sortenwahl:
Kriterien der Sortenwahl: eventuell Ölgehalt, derzeit die Sorte Calena erhältlich.
Saat:
-
Saattiefe: 1-2 cm
-
Saatzeit: zusammen mit Sommergetreide oder Erbsen oder später einstriegeln
-
Saatstärke: Körner/m²: in Reinsaat ca. 400 (TKG 0,8 – 1,1 g), im Gemenge 3-5kg/ha
-
Reihenweite in cm: einfacher Getreidereihenabstand, oder Breitsaat mit Elektrostreuer.
-
Saattechnik: bei gleichzeitiger Aussaat von großkörnigen Hauptfrüchten und Leindotter ist auf jeden Fall eine getrennte spezielle Saatvorrichtung für den Leindotter (flach und zwischen die Hauptfruchtreihen) nötig.
Beikrautregulierung:
Grundregeln der indirekten Maßnahmen beachten. Sehr gute Konkurrenzkraft Zweck des Gemengeanbaues ist ja die gute Unkrautunterdrückung. Leindotter hat den Vorteil, dass er sich aufgrund seines Wuchsverhaltens nicht gegenüber der Hauptkultur durchsetzt. Er ordnet sich als idealer Gemengepartner unter.
Nährstoffversorgung:
-
Im Gemengeanbau ist der Anspruch der Hauptfrucht ausschlaggebend. In Reinsaat bis 100kg/ha N-Bedarf.
Krankheiten und Schädlinge:
-
Pilzkrankheiten: Botrytis und falscher Mehltau
-
Schädlinge:
Ernte:
Ende Juli bis Mitte August. Die Schoten sind ziemlich ausfallfest und können je nach Bedarf verlustarm gedroschen werden.
Lagerung:
Unbedingt trocken genug einlagern (9% H2O)
Wichtige Vermarktungswege:
Kaltgepresstes Öl für technische Zwecke. Presskuchen für die Tierernährung, aber nur in geringen Mengen in der Ration.
Sonderverfahren:
Gemengeanbau ist zur Unkrautunterdrückung und zur Nebengewinnung von ca. 300 - 400 kg/ha Samen, bzw. 100 bis 150 l/ha kaltgepresstes Öl seit einigen Jahren erprobt. Spielt die Gewinnung des Öls keine Rolle, braucht bei der Mähdreschereinstellung auf den Leindottersamen keine Aufmerksamkeit gelegt werden. Der Leindotter ergibt dann wieder eine Zwischenfrucht. Als ölhaltiger Samen ist aber Leindottersamen im Boden jahrelang überlebensfähig. Eine starke Anreicherung des Samenpotenzials ist bei mehrmaligem Anbau zu erwarten. Die Durchwuchsproblematik hängt dann von den Kulturen ab. Beispiel: Sollen Raps oder andere Kreuzblütler für bestimmte Zwecke angebaut werden, ist aufgrund von Leindotterdurchwuchs mit einer Vermischung und damit mit einer Veränderung der Ölqualität zu rechnen.
Johann Schneck, Staatliche Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, Landshut - Schönbrunn
Staatl. Fachschule für Agrarwirtschaft • Fachrichtung ökologischer Landbau
Am Lurzenhof 3a, 84036 Landshut
Tel.: 0871 9521-140 • Fax: 0871 9521-145 • E-Mail: poststelle@foel-sc.bayern.de
|